Nachhaltige Hotels & Unterkünfte: Umweltfreundlich übernachten
Die eine Sache beim nachhaltigen Reisen ist die Anreise. Gerade in Europa ist es oft möglich, den Zug zu nehmen und bewusst auf das Fliegen zu verzichten.
Doch auch vor Ort möchten mehr und mehr Reisende im Einklang mit Mensch und Natur leben. Hier kommt die umweltfreundliche Unterkunft ins Spiel.
Zwei Klischees halten sich dabei hartnäckig. Dass Öko-Hotels zwangsläufig teuer seien. Oder dass Umweltfreundlichkeit beim Reisen mit Verzicht auf Luxus und unbequemen Zeltböden gleichzusetzen sei.
Egal, ob kleines oder großes Budget. Egal, ob Hotel, Jugendherberge, Ferienhaus oder Campingplatz: Wir erklären, woran Sie eine umweltfreundliche Unterkunft erkennen und worauf Sie vor der Buchung achten sollten.
Wichtiges vorab
- Umweltfreundliche Unterkünfte müssen nicht teuer oder unbequem sein.
- Wie zu Hause auch kann man auf Reisen die Umwelt durch einfache Gesten schützen.
- Gütesiegel wie Green Key, EU Ecolabel oder TourCert helfen, nachhaltige Anbieter zu erkennen.
Was macht eine umweltfreundliche Unterkunft aus?
Energieverbrauch
Gerade Hotels mit beheiztem Pool oder ständig laufender Klimaanlage können wahre Ressourcenfresser sein.
Nutzt die Unterkunft Ökostrom, zum Beispiel aus Solar- oder Windenergie? Verfügt sie vielleicht sogar über eigene Solaranlagen?
Auch scheinbare Kleinigkeiten wie LED-Leuchten oder Bewegungsmelder tragen zur Energieeinsparung bei.
Verpflegung
Essensbuffets halten eine riesige Auswahl bereit, bedeuten aber oft auch viel Lebensmittelabfall.
Nachhaltiger ist es, wenn Speisen gezielt serviert werden – idealerweise mit Zutaten von lokalen Anbietern und Lieferanten aus der Region.
Abfall-Management
Wird Müll getrennt? Verzichten Unterkünfte gezielt auf unnötige Plastikverpackungen – etwa auf kleine Portionsverpackungen für Nutella und Marmelade beim Frühstücksbuffet, Mini-Shampoofläschchen oder täglich neu eingeschweißte Seifen auf den Zimmern?
Fest eingebaute, nachfüllbare Spender für Duschgel und Shampoo sind hier deutlich umweltfreundlicher.
Und: Haben auch Gäste die Möglichkeit, ihren Abfall getrennt zu entsorgen?
Wasser-Management
Handtücher oder Bettwäsche nur alle paar Tage wechseln, ist in vielen Hotels mittlerweile Standard. Halten sich Mitarbeiter daran und gehen sie auch auf die Wünsche der Gäste ein (Stichwort: Green Option)?
Gibt es weitere Maßnahmen zum Wassersparen, über die das Hotel informiert, wie etwa wassersparende Duschköpfe oder die Nutzung von Regenwasser?
Mobilität
Ist die Unterkunft gut mit öffentlichen Verkehrsmitteln erreichbar, etwa mit Bus, Bahn oder einem Shuttle-Service? Gibt es vor Ort Fahrradabstellplätze oder E-Ladestationen?
Nimmt das Hotel an regionalen Angeboten teil, zum Beispiel eine Gästekarte, mit der der öffentliche Nahverkehr (ÖPNV) kostenfrei genutzt werden kann?
Transparenz
Ein weiterer Hinweis auf ernst gemeinte Nachhaltigkeit ist die klare Kommunikation: Informiert das Hotel seine Gäste verständlich darüber, welche konkreten Maßnahmen zum Umwelt- und Klimaschutz umgesetzt werden?
Mini-Checkliste: Woran erkenne ich ernst gemeinte Nachhaltigkeit?
- Werden konkrete Maßnahmen genannt – oder nur allgemein „nachhaltig“ geworben?
- Sind Nachhaltigkeitsinfos leicht auffindbar (Website, Zimmerinfos)?
- Gibt es konkrete Optionen für Gäste (z. B. „Green Option“) – oder nur unverbindliche Hinweise?
- Gibt es unabhängige Siegel oder nachvollziehbare Erklärungen?
Campingurlaub: Spitzenreiter der Umweltfreundlichkeit
Campen ist eine der umweltfreundlichsten Arten, Urlaub zu machen. Und noch dazu eine der günstigsten. Nach einer von Stiftung Warentest durchgeführten Untersuchung verursacht etwa ein Vier-Sterne-Hotel etwa fünfmal so hohe Emission wie ein Campingplatz.
Der Trend Glamping stellt einen Kompromiss für diejenigen dar, die zwar umweltfreundlich übernachten, aber nicht auf jeden Luxus verzichten wollen. Es setzt sich aus den englischen Begriffen „glamorous“ und „camping“ zusammen.
Gemeint sind gemütliche Hütten, Baumhäuser oder Ähnliches mitten in der Natur. Die Ausrüstung wird gestellt, man muss also kein erfahrener Camper sein. Zudem schläft man oft in einem richtigen Bett und hat die Möglichkeit, Essen zuzubereiten oder wird verpflegt.
Nachhaltige Alternativen zum Hotel: persönlich, ressourcenschonend, oft günstiger
Nicht immer muss es ein Hotel sein. Wer offen für Alternativen ist, kann auf Reisen oft nicht nur günstiger, sondern auch nachhaltiger und persönlicher übernachten. Viele dieser Optionen nutzen bereits bestehenden Wohnraum und vermeiden so zusätzlichen Ressourcenverbrauch. Nicht jede Alternative passt zu jeder Reiseform – sie zeigen aber, wie vielfältig nachhaltiges Übernachten sein kann.
Housesitting
Beim Housesitting („Haushüten“) übernachten Reisende mietfrei im Zuhause einer anderen Person und kümmern sich im Gegenzug um Haus, Wohnung oder Tiere. Dazu gehören etwa Blumen gießen, lüften oder das Versorgen von Haustieren.
Angeboten wird Housesitting über spezielle Plattformen, meist gegen eine jährliche Gebühr. Dort können sich Hosts und Housesitter kennenlernen, Profile einsehen und Bewertungen früherer Aufenthalte lesen.
Housesitting nutzt vorhandenen Wohnraum und ist damit besonders ressourcenschonend. Gleichzeitig erfordert es Vertrauen, Verlässlichkeit und eine gute Absprache.
Haftung & Versicherung beim Housesitting
Handelt es sich um einen reinen Freundschaftsdienst, etwa zwischen Nachbarn oder Verwandten, haftet der Housesitter in der Regel nicht für Schäden, die durch einfache Fahrlässigkeit entstehen. Anders sieht es bei grober Fahrlässigkeit oder vorsätzlichem Handeln aus.
Kommt Housesitting über eine Plattform zustande, liegt meist ein vertragliches Verhältnis vor – auch dann, wenn kein Geld fließt. Häufig stellen die Plattformen dafür Musterverträge zur Verfügung, die individuell angepasst werden können. In diesem Fall gelten andere Haftungsregeln als bei einem reinen Gefälligkeitsverhältnis.
Um auf der sicheren Seite zu sein, sollten Housesitter einige Punkte beachten:
- Vorab klären, welche Aufgaben übernommen werden und wofür man verantwortlich ist.
- Den Housesitting-Vertrag sowie die Nutzungsbedingungen der Plattform sorgfältig lesen.
- Prüfen, ob die private Haftpflichtversicherung Schäden beim Housesitting oder Ähnlichem abdeckt.
- Gegebenenfalls eine Erweiterung des Versicherungsschutzes in Betracht ziehen.
- Auch bei Housesitting im privaten oder nachbarschaftlichen Umfeld schriftlich festhalten, wer im Schadensfall haftet.
Couchsurfing
Beim Couchsurfing übernachten Reisende kostenlos bei Privatpersonen – oft auf dem Sofa oder in einem Gästezimmer. Im Mittelpunkt steht weniger die Unterkunft selbst als der kulturelle Austausch. Gastgeberinnen und Gastgeber zeigen ihre Stadt, geben Tipps und ermöglichen Einblicke in den Alltag vor Ort.
Auch Couchsurfing nutzt bestehenden Wohnraum und kann dadurch umweltfreundlich sein. Gleichzeitig lebt das Konzept von Offenheit und gegenseitigem Respekt
Haustausch (Home-Swapping)
Beim Haustausch tauschen zwei Parteien für einen bestimmten Zeitraum ihre Wohnungen oder Häuser. Geld fließt dabei in der Regel nicht.
Der Vorteil: Beide Seiten nutzen vorhandenen Wohnraum, oft inklusive Küche, Waschmaschine und Fahrrädern. Gerade für Familien oder längere Aufenthalte kann Home-Swapping eine nachhaltige und praktische Alternative zum Hotel sein.
Nachhaltige Buchungsplattformen
Wer nicht privat wohnen möchte, findet auch über spezialisierte Plattformen umweltfreundliche Unterkünfte.
Plattformen wie Ecobnb, Naturhäuschen oder fairunterwegs haben sich auf nachhaltigen Tourismus spezialisiert. Angeboten werden etwa Bio-Hotels, Ferienhäuser, Tiny Houses oder Unterkünfte in naturnaher Lage.
Die Anbieter legen Wert auf ökologische Kriterien wie erneuerbare Energien, Mülltrennung oder regionale Lebensmittel.
Nachhaltigkeit endet nicht an der Rezeption
Auch die nachhaltigste Unterkunft bleibt nur so umweltfreundlich, wie Gäste und Anbieter gemeinsam handeln. Schon einfache Gesten können, auf Reisen genauso wie zu Hause, Großes bewirken.
- Wasser nicht unnötig laufen zu lassen
- Müll trennen und korrekt entsorgen
- Wiederverwendbare Verpackungen wie Jutebeutel oder Brotdosen für den Einkauf nutzen
- Wiederbefüllbare Trinkflaschen mitbringen
- Equipment leihen oder mehrmals benutzen
- Heizung richtig einstellen, regulieren
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